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“Wir haben uns auseinandergelebt“ – was wirklich hinter dieser Aussage steckt

“Wir haben uns auseinandergelebt“ – was wirklich hinter dieser Aussage steckt

Man hört es immer wieder im Freundeskreis, in der Familie oder auch in den Medien. Bis dato scheinbar glückliche Paare trennen sich und behaupten: „Wir haben uns auseinandergelebt.“ Doch was steckt wirklich hinter diesem Trennungsgrund, der eher nach Vorwand oder Ausrede klingt, als dass er eine wirklich plausible Erklärung für das Aus einer Beziehung liefert? Und kann es wirklich sein, dass zwei Menschen beschließen, getrennte Wege zu gehen, nur weil es scheinbar nicht mehr zwischen ihnen passt oder haben doch immer Lug, Betrug und Streitereien ihre Finger mit im Spiel?

Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und haben zwei Ansätze dafür gefunden, wie es sein kann, dass ein Paar sich auseinanderlebt und drei Beispiele dafür, wann es sich vielleicht doch nur um eine Ausrede handelt. Welche Chancen sich ergeben, wenn man sich mit dem Phänomen des Auseinanderlebens etwas näher befasst, verraten wir euch am Ende des Artikels.

Alltag frisst Liebe

Am Anfang scheint noch alles wie im Märchen. Man verliebt sich, geht gemeinsam aus, lernt einander kennen und geht auf Tuchfühlung. Alles ist neu, spannend und unbeschreiblich aufregend. Doch mit der Zeit wird die Liebe ruhiger. Das Herzklopfen nimmt ab, die gemeinsamen Unternehmungen werden weniger und die Gespräche sowieso. Wird dann noch der Austausch von Zärtlichkeiten zum lästigen Pflichtprogramm erkoren, ist von der anfänglichen Liebe und Zuneigung, die man füreinander empfunden hat, nicht mehr viel übrig. Oft nehmen Paare diese alarmierenden Veränderungen in ihrer Beziehung nicht rechtzeitig wahr, weil sie schleichend Einzug halten oder messen ihnen nicht genügend Bedeutung bei. Schließlich ist es nur natürlich, dass aus Verliebtheit irgendwann Liebe wird und die Liebe zur Gewohnheit. Damit aus Gewohnheit aber nicht auch automatisch Langeweile und Gleichgültigkeit erwachsen, braucht es zwei Menschen, die an ihrer Beziehung arbeiten und sich trotz Alltagssorgen und Zeitmangel ihre Zuneigung füreinander bewahren. Ob aus Faulheit, Unwissen oder schlicht aus mangelndem Interesse – wenn keiner von beiden versucht, die Beziehung zu retten, geht man irgendwann getrennte Wege. Dann heißt es häufig: „Wir haben uns auseinandergelebt.“

Vorstellungen ändern sich

Bei Paaren aller Altersgruppen kann es vorkommen, dass einer oder auch beide Partner mit der Zeit ganz andere Vorstellungen entwickeln, als sie sie noch zu Beginn der Beziehung hatten. Besonders junge Menschen ändern ihre Pläne in Bezug auf Beruf, Familienplanung oder Wohnort schon mal spontan, weil sich eine Gelegenheit dazu ergibt oder entwickeln sich einfach weiter und erlangen ein ganz neues Bewusstsein für ihre Bedürfnisse und Wünsche. Wenn diese Veränderungen nicht bei beiden Partnern parallel verlaufen oder stark zeitversetzt und zudem noch in ganz unterschiedliche Richtungen führen, dann steht die Beziehung mit einem Mal auf wackeligem Terrain. Doch auch bei Langzeitpaaren, die schon vieles zusammen erlebt haben, Kinder großgezogen und gemeinsamen Besitz erwirtschaftet haben, kommt es immer wieder vor, dass ein Punkt in der Partnerschaft erreicht wird, an dem mindestens einer von beiden sich Veränderungen herbeisehnt und nicht die Möglichkeit sieht, diese an der Seite seines aktuellen Partners herbeizuführen. Oft entschließen Mann und Frau sich dann zu einer Trennung und sagen auch hier: „Wir haben uns auseinandergelebt.“

Skandale sind unerwünscht

Sehr häufig lassen gerade prominente Paare verlauten, dass sie sich auseinandergelebt haben und in aller Freundschaft getrennte Wege gehen wollen. In einigen Fällen mag das sicher stimmen. In anderen hingegen ist es vermutlich eine kluge Taktik, die verhindern soll, dass ihre Karriere unter einem öffentlichen Skandal leidet. Vielleicht ist es aber auch nur der Versuch, sich ein Stückchen Privatsphäre zu bewahren und die Familie vor allzu viel öffentlicher Neugierde zu schützen. Eine Entscheidung, die legitim ist. Denn wer möchte schon, dass alle Welt weiß, welche Dramen sich in den eigenen vier Wänden abspielen?

Die Wahrheit ist beschämend

Vom eigenen Partner betrogen oder verlassen zu werden ist verletzend und beschämend zu gleich. Während manch einer seinen Schmerz gerne öffentlich kundtun und Familie und Freunde in das Geschehen einweiht, ohne dabei ein gutes Haar am Partner zu lassen, vermeiden andere es lieber, über die wahren Gründe für das Ende ihrer Beziehung zu reden. Ein einfaches “Wir haben uns auseinandergelebt“ wird dann zur willkommenen Abwehr von bohrenden Fragen und ein Schutzschild für die eigene gebrochene Seele. Eine Reaktion, die sicher verständlich ist und die man einem verletzten Neusingle zugestehen sollte.

Ein Grund muss her

Manchmal möchte sich ein Partner trennen, will dabei den anderen aber nicht zu stark verletzen. Dann zu behaupten, es läge hauptsächlich an einem selber und man habe sich schlicht auseinandergelebt, erscheint um ein Vielfaches gnädiger, als zuzugeben, dass man den anderen nicht mehr liebt. Ist zudem vielleicht schon eine dritte Person im Spiel, wird das Ganze noch komplizierter. Hier mit der vollen Wahrheit herauszurücken, fällt den meisten schwer. Die Variante, das Auseinanderleben als Begründung für die gewünschte Trennung anzuführen, ist in diesem Fall bequemer und verursacht deutlich weniger Gegenwehr.

Chancen erkennen und wahrnehmen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hinter der Aussage “Wir haben uns auseinandergelebt“ sowohl viel Wahrheit als auch eine sorgsam gewählte Erklärung stecken kann, für das, was man sich entweder selber oder anderen gegenüber nicht eingestehen will. Doch immer gilt: Es gibt Gründe für das Ende einer Beziehung, die, wenn man den Mut hat, sie konkret zu benennen, dazu beitragen könnten, das Ruder vielleicht doch noch einmal herumzureißen – vorausgesetzt natürlich, beide Partner sind gewillt, sich der Anstrengung, die die Arbeit an einer mit Problemen behafteten Partnerschaft mit sich bringt, zu stellen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.

Doch selbst, wenn es für die verflossene Liebe schon zu spät ist, so können durch das Hinterfragen, woran die letzte Beziehung tatsächlich gescheitert ist, die Weichen für ein neues Liebesglück positiv ausgerichtet werden. Außerdem bietet die Einsicht, dass das Auseinanderleben zum Beziehungsaus geführt hat, den beiden Partnern noch eine weitere Chance: Sind sich beide einig, ist die Trennung weniger schmerzhaft und es gelingt ihnen vielleicht sogar, später ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen.

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