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Whataboutism – fast alle Paare machen bei Diskussionen diesen Fehler

Whataboutism – fast alle Paare machen bei Diskussionen diesen Fehler

„Du räumst nie deine dreckigen Socken weg. Das nervt mich.“ „Und was ist mit dir? Du vergisst ständig, das Licht auszuschalten.“ So oder so ähnlich verlaufen Konfliktgespräche in vielen Beziehungen. Sie führen zu keinem Ergebnis und hinterlassen auf beiden Seiten Unzufriedenheit und hochgeschaukelte Emotionen. Whataboutism nennt sich diese Argumentationstechnik, wenn einer der Gesprächspartner versucht, vom ursprünglichen Thema abzulenken. Das Ergebnis: der Streit eskaliert, weil beide sich in Rage reden und sich gegenseitig mit Vorwürfen überhäufen. Der Begriff findet meist im öffentlichen Rahmen Anwendung, beispielsweise bei Debatten zu wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftsrelevanten Themen. Doch auch in Partnerschaften wird Whataboutism oft eingesetzt, obwohl es hier eigentlich darum gehen sollte, eine bestimmte Unstimmigkeit anzusprechen und aus dem Weg zu räumen. Dass Whataboutism dabei nicht zielführend ist und großen Schaden verursachen kann, ist den meisten Paaren im Eifer des Gefechtes nicht bewusst.

Whataboutism – what?

Der Begriff Whataboutism stammt aus dem englischen Sprachgebrauch und ist aus den Worten “What about …?“ und dem Zusatz “ism“ für “ismus“ zusammengesetzt. In der deutschen Übersetzung bedeutet Whataboutism sinngemäß “(Und) was ist mit-ismus“. Beim Whataboutism geht es darum, in einem Gespräch von unliebsamer Kritik abzulenken, indem man mit Gegenargumenten oder Fragen kontert, die mit dem eigentlichen Ursprungsthema nichts zu tun haben. Der Kritiker gerät dadurch selber in Bedrängnis und sein Anliegen wird herabgewürdigt. Eine sachliche und zielführende Diskussion ist unter diesen Umständen nicht möglich.

Warum es zu Whataboutism in einer Beziehung kommt

Kritik geschickt zu verpacken und dem Empfänger so zu präsentieren, dass er sie annehmen kann und sich nicht angegriffen fühlt, ist nicht einfach. Besonders in einer Partnerschaft, in der naturgemäß unterschiedliche Gefühle und eine Menge an Erwartungen aufeinanderprallen, geschieht es häufig, dass derjenige, der von seinem Partner kritisiert wird, sofort zum Gegenangriff ansetzt. Vorwürfe können verletzend sein und das eigene Selbstwertgefühl angreifen. Wenn dann keine hieb- und stichfesten Argumente zur Hand sind, um das eigene Verhalten zu rechtfertigen, bleibt scheinbar nur ein Ausweg: vom Thema abzulenken, indem man mit einem Vorwurf kontert, der mit der aktuellen Angelegenheit nichts zu tun hat. Insofern sind die häufigsten Gründe für Whataboutism in einer Beziehung Hilflosigkeit, verletzte Gefühle und manchmal auch gekränkte Eitelkeit.

Whataboutism hat in einer Partnerschaft nichts verloren

Whataboutism in einer Beziehung führt dazu, dass Konflikte nie sachlich ausgetragen und gelöst werden. Vielmehr eskaliert ein Streit zwischen den Partnern, wenn er durch immer mehr unterschiedliche Konfliktpunkte angereichert wird, anstatt dass beide sich zunächst auf ein Thema konzentrieren, um eine sinnvolle Lösung zu finden. Das Gefährliche daran ist, dass beide Partner zunehmend frustriert sind, weil sie sich vom jeweils anderen nicht verstanden und ernst genommen fühlen. Sie verinnerlichen mit der Zeit, dass es scheinbar nicht möglich ist, Probleme gemeinsam zu besprechen und zu lösen und distanzieren sich immer mehr voneinander. Das führt dazu, dass sie anfangen, die gesamte Beziehung infrage zu stellen und weniger Bereitschaft zeigen, sich weiterhin um den Erhalt der Partnerschaft zu bemühen. Die einstige Bindung zueinander geht verloren und oft wird sie dann im Außen, beispielsweise bei einem neuen Partner gesucht.

Wie man Whataboutism vermeiden kann

Aus einer Beziehung, in der beide Partner interessiert daran sind, langfristig miteinander glücklich zu sein, sollte Whataboutism am besten restlos verbannt werden. Das ist aber nur möglich, wenn die Liebenden sich in Konfliktgesprächen an ein paar Spielregeln halten:

1. Den Partner aussprechen lassen

Wenn der Partner Kritik äußert, sollte man ihn dabei nicht unterbrechen und in Ruhe ausreden lassen. Das gibt ihm ein beruhigendes Gefühl und er sieht keinen Anlass dazu, laut zu werden oder seinen Standpunkt unnötig lange erklären zu müssen.

2. Tief Luftholen und sich beruhigen

Dann gilt es erst einmal tief ein- und auszuatmen und die eigenen, jetzt schon etwas aufgewühlten Emotionen in den Begriff zu bekommen. Das kann besonders dann schwerfallen, wenn man sich allein schon über den Ton oder die Wortwahl des Partners ärgert.

3. Sich beherrschen und nicht zur Gegenwehr ansetzen

Ganz wichtig ist es, in dieser Phase keinen Gegenangriff zu starten und den Partner oder die Partnerin seinerseits mit einem Vorwurf zu konfrontieren. Denn ansonsten ist eine Eskalation bereits vorprogrammiert.

4. Nachfragen und Verständnis äußern

Mit der Äußerung von Verständnis und dem gezielten Nachfragen, was genau den Partner stört oder verletzt, demonstriert man ihm, dass man ihn ernst nimmt und bereit ist, sich dem Problem zu stellen.

5. Eine sachliche Diskussion beginnen

Wenn bis hierhin alles nach Plan verlaufen ist, kann man nun beginnen, mit dem Partner zu verhandeln. Das kann auch beinhalten, dass man ihn fragt, was man in Zukunft anders oder besser machen kann, um ihn oder sie nicht zu verärgern. Dabei ist das höchste Gebot für beide Partner immer noch, keine Themen anzuschneiden, die mit dem aktuellen Anlass in keinerlei Zusammenhang stehen.

Diese Vorgehensweise bedeutet nicht, dass man jede Kritik an- und hinnehmen muss. Es geht lediglich darum, gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin eine Basis zu finden, auf der man offen miteinander kommunizieren kann, ohne dass am Ende beide wutentbrannt mit den Türen knallen und jeder seiner Wege geht. Wenn es einem Paar gelingt, Whataboutism weitestgehend zu vermeiden, schafft es automatisch viel mehr Platz für gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Und je öfter es auf diese Weise Konflikte auflösen kann, desto leichter fällt es beiden, in Zukunft Unstimmigkeiten ohne Angst und übersteigerte Angriffslust anzusprechen. Das führt dazu, dass keiner von beiden die geäußerte Kritik des Partners als verletzend empfindet und sich genötigt fühlt, sich durch Whataboutism zu verteidigen. Leider ist nicht jeder Mann und auch nicht jede Frau interessiert daran, die Streitkultur innerhalb der eigenen Beziehung zu verbessern. Besonders Personen, die dazu neigen, immer auf ihrem Recht bestehen zu wollen und die Meinung ihres Partners deshalb grundsätzlich abwerten, werden ihre Finger nicht vom Whataboutism lassen können. Ist man mit so jemandem zusammen, wird man sich früher oder später entscheiden müssen, ob man diese Uneinsichtigkeit ein Leben lang ertragen möchte oder ob es nicht vielleicht besser ist, die Beziehung zu beenden und sich einen Partner zu suchen, der besser zu einem passt.

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