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Wer hat hier die Hosen an? – Welche Rolle Macht in Beziehungen spielt

Wer hat hier die Hosen an? – Welche Rolle Macht in Beziehungen spielt

In einer Liebesbeziehung von Macht zu sprechen, ist in etwa so romantisch wie Brennnesseln, anstatt Rosen zu verschenken. Aber realistisch betrachtet gehört das Ausloten von Machtverhältnissen zu jeder Beziehung dazu und bestimmt im Extremfall sogar darüber, ob die Partnerschaft Bestand hat oder zum Scheitern verurteilt ist. Dabei kann sich das Machtgefüge im Verlauf einer Beziehung mehrmals verändern und sich oft über einen längeren Zeitraum einpendeln, um dann wieder ins Wanken zu geraten. Wie Macht in einer Beziehung wahrgenommen wird und wie die beiden Partner mit ihr umgehen, ist abhängig von deren Charakteren, aber auch von den sich wandelnden Lebensbedingungen beider.

Die Machtspielchen am Anfang einer Beziehung

Schon ganz am Anfang einer Beziehung oder vielmehr bereits beim ersten Kennenlernen zeigt sich, dass Macht und Liebe miteinander verknüpft sind. Meist wagt einer den ersten Schritt und spricht die Person, die seine Aufmerksamkeit erregt hat, an. Damit ergreift Mann oder Frau bereits die Initiative und bestimmt meist auch schon den Verlauf des darauffolgenden Gespräches. Es folgt der Vorschlag für ein erneutes Treffen und auch hier übernimmt der aktivere Teil in der Regel die Führung. Ist der andere eher zurückhaltend, ist er oft dankbar für den Einsatz seiner selbstbewussten neuen Bekanntschaft. Stellen sich bei beiden Gefühle der Verliebtheit ein, fällt ihnen nicht auf, dass sie sich bereits unbewusst über die Machtverteilung in ihrer Partnerschaft geeinigt haben und es spielt zumindest oberflächlich betrachtet zunächst auch keine Rolle, wer mehr zu sagen hat. Dieser Zustand kann über einen längeren Zeitraum anhalten – zumindest so lange, wie keine Unstimmigkeiten zwischen den Partnern auftreten oder der leise Mann bzw. die angepasste Frau nicht das Gefühl hat, ständig bevormundet zu werden. Der dominantere Part in der Beziehung bestimmt dann ganz selbstverständlich, wann und wo man sich trifft und wie man die gemeinsame Zeit verbringt.

Der gemeinsame Lebensweg – einer führt, der andere folgt

Wenn eine Beziehung in die Phase des Zusammenlebens übergeht, Kinder ins Spiel kommen oder ein Eigenheim gebaut wird, gilt es viele Entscheidungen zu treffen. Hier kann das bestehende Machtgefüge innerhalb der Partnerschaft ins Wanken geraten. Schließlich ist man spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nur ein unbeschwertes verliebtes Pärchen, sondern reift zu zwei Menschen heran, die ernsthaft ein gemeinsames Leben in Angriff nehmen möchten. Jetzt ist es beiden Partnern wichtig, auch ihre individuellen Vorstellungen mitzubringen und dafür zu sorgen, dass die eigenen Bedürfnisse Beachtung finden. Dennoch empfinden einige Menschen – oft sind es vor allem die Frauen – es als einfacher, wenn der Partner das Kommando übernimmt. Schließlich haben sie auch so schon genügend Aufgaben zu bewältigen und keinen Kopf dafür, über augenscheinlich weniger wichtige Entscheidungen zu diskutieren. Es folgt ein gemeinsames Leben, das für beide Partner erfüllend sein kann – sei es, weil ihre Vorstellungen tatsächlich ähnlich sind oder auch nur, weil einer der Partner aufgrund von finanziellen, beruflichen oder familiären Verpflichtungen blind geworden ist, für seine eigenen Wünsche.

Beziehungskrise – wenn die Voraussetzungen sich ändern

Viele Ehen werden nach zwanzig oder noch mehr Ehejahren geschieden. Wenn Kredite abbezahlt sind und die Kinder aus dem Haus gehen, entdecken Männer und Frauen oft ganz neue Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten. Während die einen aus Gewohnheit alles beim Alten belassen, sehen die anderen endlich ihre Zeit gekommen. Plötzlich erheben sie ihre Stimme und verlangen vom Partner mehr Entscheidungsfreiheit, Gehör und Interesse. Ist dieser nicht bereit, die gewünschten Veränderungen mitzutragen, fassen sich auch diejenigen, die sich bisher bereitwillig haben dominieren lassen, ein Herz und stehen für ihre Bedürfnisse ein. Sie ergreifen unvermittelt die Macht, setzen ihren Partnern ein Ultimatum oder stellen sie gleich vor vollendete Tatsachen und trennen sich, weil sie nicht mehr bereit sind, jemand anderen über ihr Leben bestimmen zu lassen. Ihre Entscheidungen wollen sie ab sofort selber treffen.

Das Wechselspiel von Kampf und Nachgeben in der Beziehung

Wenn zwei temperamentvolle und selbstsichere Menschen sich ineinander verlieben, führen sie häufig eine aufregende Beziehung. Ihre Konflikte tragen sie lautstark, beherzt und mit viel Leidenschaft aus. Das kann auf Dauer für beide anstrengend sein, bringt aber den Vorteil mit sich, dass sich in den Partnern keine unerfüllten Sehnsüchte aufstauen, die irgendwann herausbrechen und zu Differenzen führen, die nicht mehr geklärt werden können. Beide lernen mit der Zeit, manchmal auf ihrem Willen zu beharren und manchmal einfach dem Partner zuliebe nachzugeben. Auch Beziehungen, in denen ein Partner dauerhaft mehr Macht ausübt und über den Kopf des anderen hinweg Entscheidungen trifft, können gelingen, solange der dominierte Partner sich in seiner Rolle wohlfühlt. Oft ist dem aber nicht so und er fängt irgendwann an, sich aufzulehnen und überrascht sein Gegenüber derart mit einem Verhalten, dass es zu größeren Auseinandersetzungen kommt, die letztlich zum Beziehungsaus führen. Oder der Machtträger ist irgendwann derart gelangweilt von seinem sanftmütigen Partner, dass er sich abwendet und Ausschau nach einer Frau oder einem Mann hält, die oder der ihm ein gleichberechtigter Partner sein kann.

Macht in der Beziehung gerecht verteilen

So etwas Abstraktes wie Macht lässt sich leider nicht so gerecht wie eine Pizza verteilen. In einer Beziehung ist es denkbar, dass die Partner Lebensbereiche definieren, in denen jeweils einer von beiden die Führung übernimmt. Besser ist es, wenn sie in allen Bereichen gemeinsame Lösungen finden und durch Kompromisse dafür sorgen, dass die Wünsche beider Beachtung finden. In jedem Fall sollte der Partner, der dazu neigt, alles alleine bestimmen zu wollen, versuchen, seine bessere Hälfte mehr mit einzubeziehen. Der ruhigere Partner hingegen sollte öfter aus seiner Rolle des stillen Wertgefährten ausbrechen und für seine Meinung einstehen. So gelingt es beiden, das Machtverhältnis in ihrer Beziehung immer wieder in Balance zu bringen. Letztlich spielt es aber keine Rolle, wer bestimmt, was auf den Tisch kommt, wohin die Reise geht oder welchen Namen das Haustier bekommt – wichtig ist nur, dass jeder von beiden mal die Hosen anhat, wenn schon nicht beide gleichzeitig hineinpassen.

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