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Warum nerven mich die Macken meines Partners? – Wie du gelassener mit ihnen umgehst!

Warum nerven mich die Macken meines Partners? - Wie du gelassener mit ihnen umgehst!

Am Anfang schien alles so perfekt. Er ist zwar zu jeder Verabredung etwas zu spät gekommen und ja, sie war schon immer etwas chaotisch – aber das war doch nichts gegen dieses hinreißende Lächeln, diese fürsorgliche Art und den wundervollen Humor. Vielleicht liegt es auch an der rosaroten Brille, die sich schon beim ersten Anflug von Verliebtheit unbemerkt auf unsere Nase setzt und unseren Blick für die Realität verklärt. Nur leider bleibt diese nette Brille nicht immer dort sitzen, sondern rutscht mit der Zeit immer tiefer und tiefer unseren Nasenrücken hinunter, bis sie uns irgendwann gänzlich aus dem Gesicht fällt. Und mit einem Mal ist er da: der klare, ungetrübte Blick auf den Partner; einen Menschen mit Ecken und Kanten, mit Fehlern und so einigen, nicht mehr ganz so liebenswürdigen Macken.

Doch wie kann es sein, dass wir etwas, was wir zu Anfang einer Beziehung an unserem Partner nur allzu gerne hinnehmen oder gar ganz bezaubernd finden, mit der Zeit nicht mehr ertragen können? Und wie können wir lernen, mit den Macken unseres Partners umzugehen, ohne, dass wir zu sehr darunter leiden?

Liebe bedeutet, Rücksicht zu nehmen

Wenn wir jemanden kennenlernen und eine neue Beziehung eingehen, neigen wir dazu, den Partner zu idealisieren und sind so verliebt, dass uns alles, was der andere sagt oder tut gefällt. Selbst wenn sein Benehmen nicht zu unserem eigenen Verhaltensmuster passt oder sich sogar ziemlich von dem unterscheidet, was wir selber als richtig oder falsch ansehen, sind wir trotzdem bereit, alles an dem anderen anzunehmen. Die eigenen Ansichten stehen erst einmal im Hintergrund. Das ändert sich jedoch mit der Zeit. Je weiter sich eine Partnerschaft entwickelt und je mehr das erste Hochgefühl der Verliebtheit abnimmt, desto stärker besinnen wir uns wieder auf unsere eigenen Bedürfnisse. Jetzt beginnen wir wahrzunehmen, dass uns doch einiges an unserem Partner nicht ganz so gut gefällt. Dann ist es an der Zeit, ehrlich zueinander zu sein und dem anderen einfühlsam zu vermitteln, mit welchen seiner Marotten man nicht zurechtkommt. Das Problem dabei ist: Der Partner wird sich vermutlich nicht so leicht ändern. Aber darum geht es im Grunde auch nicht. Vielmehr geht es darum, zu lernen, auf die Bedürfnisse des jeweils anderen Rücksicht zu nehmen und aufeinander zuzugehen. Das heißt, dass beide versuchen müssen, Verhaltensweisen, die der Partner nicht schätzt, ein wenig einzudämmen, aber auch gewisse Eigenarten am anderen zu akzeptieren.

Oft liegt das Problem viel tiefer begraben

Wenn wir bemerken, dass uns manche Macken an unserem Partner – sei es seine Unordentlichkeit, seine Unpünktlichkeit oder einfach nur sein ausgefallener Humor, den wir anfangs so geschätzt haben – immer stärker zu nerven beginnen, handelt es sich häufig nur um eine oberflächliche Wahrnehmung. Es kann gut sein, dass es im Grunde um Themen geht, die innerhalb der Beziehung noch nicht hinreichend geklärt oder verarbeitet wurden. Gab es in letzter Zeit vermehrt Streit? Ist es zu Missverständnissen gekommen oder fühlen wir uns nicht ausreichend beachtet und geliebt? Möglicherweise gibt es auch Dinge, die wir uns nicht getraut haben auszusprechen und von denen wir glauben, dass sie unserem Partner doch auffallen müssten. Auch Beziehungsprobleme, die es in der Vergangenheit gab und die zumindest von einer Partei abgehakt zu sein scheinen, wie beispielsweise ein Vertrauensbruch in Form von Lügen oder Fremdgehen, können dazu führen, dass wir plötzlich an allem, was der andere tut, etwas auszusetzen haben. Das ist ein Anzeichen dafür, dass doch noch nicht alles wieder im Lot ist und dass es noch dringenden Redebedarf gibt.

Lieben wir den Partner wirklich noch?

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn wir unseren Partner aus tiefsten Herzen lieben und grundsätzlich glücklich in unserer Beziehung sind, bringen uns die kleinen Macken unseres Schatzes allenfalls kurzzeitig auf die Palme; besonders dann, wenn wir gerade ohnehin etwas gestresst sind. Aber in der Regel können wir ganz gut darüber hinwegschauen; denn schließlich gibt es so viele positive Eigenschaften, die wir an ihm schätzen. Dass er oder sie mal etwas herumliegen lässt oder eine Kleinigkeit vergisst, ist dann nicht weiter tragisch. Anders sieht es aber aus, wenn wir uns innerlich voneinander distanziert haben. Es muss nicht immer die große Enttäuschung sein, die dazu führt, dass man sich entliebt. Manchmal entwickeln wir uns einfach in unterschiedliche Richtungen weiter, leben uns auseinander oder es kommt eine dritte Person hinzu, in die wir uns verlieben. Wenn die Gefühle für den Partner nachlassen und wir uns insgeheim bereits ein Leben ohne ihn oder an der Seite einer anderen Person vorstellen, können auch ganz kleine Macken plötzlich zu inakzeptablen Verstößen werden. Unterschwellig betrachten wir den anderen dann als Hindernis für unsere neuen Zukunftspläne und empfinden alles, was er tut, als störend. Dann sollten wir ehrlich zu uns selber, aber auch zu unserem Partner sein, denn in solch einer Situation, kann der andere uns nichts recht machen, ganz gleich, wie sehr er oder sie sich bemüht.

Auch wenn es in der ersten Phase der Verliebtheit oft so scheint – niemand ist perfekt. Die kleinen und großen Marotten des Partners annehmen und lieben zu lernen, ist nicht ganz einfach. Wichtig ist, sich dabei immer wieder bewusst zu machen, dass der andere nicht absichtlich Dinge tut, die uns stören. Er oder sie möchte uns sicher nicht ärgern. Manchmal hilft es auch zu überdenken, ob es einem wirklich so wichtig ist, dass etwas genauso verrichtet wird, wie man selber es gerne hätte. Woher kommt dieses Bedürfnis und ist es wirklich gerechtfertigt? Es ist ebenso nicht unsere Aufgabe, zu versuchen, den Partner zu ändern. Wir haben ihn so kennengelernt, wie er ist und wenn wir feststellen, dass er doch nicht zu uns passt, sind wir frei in der Entscheidung, die Beziehung zu beenden. Das alles schließt aber nicht aus, dass man über seine Empfindungen reden sollte. Wenn beide Partner dazu bereit sind, lässt sich ein Mittelweg finden, der für beide angenehm ist – ohne, dass der eine sich unentwegt zurücknehmen oder der andere permanent seinen Ärger herunterschlucken muss.

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