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Warum gerade die unromantischen Dinge in einer Beziehung so wichtig sind

Warum gerade die unromantischen Dinge in einer Beziehung so wichtig sind

Immer wenn wir uns auf Partnersuche begeben, nehmen wir uns fest vor, uns nicht zu verstellen und möglichst authentisch zu bleiben. Schließlich wünschen wir uns einen Partner, der uns genauso liebt, wie wir sind. Meistens gelingt uns das aber nicht ganz. Besonders wenn wir gerade erst jemanden kennengelernt haben oder noch ganz am Anfang einer Beziehung stehen, versuchen wir natürlich, uns von unserer Schokoladenseite zu zeigen. Wir möchten dem Mann unserer Träume oder unserer Traumfrau gefallen und ihn oder sie unbedingt von uns überzeugen. Also achten wir mehr als sonst auf unser Äußeres und unser Benehmen und vermeiden es lieber, Themen anzusprechen, die zu nüchtern, sachlich oder auch irgendwie kompliziert sein könnten.

Im Liebesrausch sehen wir anfangs auch an unserer neuen Eroberung nur die guten Seiten. Vermeintliche Macken oder andere Unzulänglichkeiten, die uns bei anderen Personen längst übel aufgestoßen wären, blendet unser Gehirn einfach aus. Der Grund: Vor lauter Verliebtheit sind wir auf Harmonie und Romantik pur programmiert. Dieser Zustand hält aber nicht lange an. Der Alltag mit all seinen Herausforderungen macht uns oft schneller als uns lieb ist einen dicken Strich durch die romantische Rechnung. Zum Glück! Denn es sind gerade die unromantischen Dinge in einer Beziehung, die sie stärken und aus zwei verliebten Menschen ein Paar werden lassen, das fest zusammenhält. Man muss nur bereit dazu sein, sich auf sie einzulassen – und sie auszuhalten.

Wenn die Masken fallen – der unromantischen Wahrheit ins Gesicht sehen

Manchmal begegnen wir einem Menschen, bei dem wir das Gefühl haben, dass wir ihn schon ewig kennen. Es scheint, als würden wir auf derselben Wellenlänge mit ihm liegen und uns blind verstehen. In Wirklichkeit lernen wir eine Person aber erst richtig kennen, wenn wir sie in unterschiedlichen Alltags- und Ausnahmesituationen erleben. Erst dann kommen nämlich bestimmte Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen zum Vorschein, die uns vorher nicht aufgefallen sind. Manche sind besonders liebenswert, andere eher nervig. Häufig passiert das, wenn ein Paar zusammenzieht. Dann zeigt sich beispielsweise, ob der Partner unordentlich ist, merkwürdige Angewohnheiten oder andere kleine Macken hat. Auch wenn die ersten Probleme auftreten, die es als Paar zu meistern gilt, kann das für beidseitige Ernüchterung sorgen. Plötzlich erscheint der Partner, den wir für zuverlässig, immer gut gelaunt und bodenständig gehalten haben, in einem ganz anderen Licht. Erst jetzt zeigt sich, ob die beidseitige Liebe wirklich stark genug ist, um den anderen so anzunehmen, wie er wirklich ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Zu erkennen, dass der vermeintliche Traumpartner eben doch nicht so perfekt ist, wie man anfangs vielleicht dachte, ist wahrlich unromantisch, aber umso wichtiger für eine gut funktionierende Beziehung.

Unromantische Alltagssituationen – peinlich oder doch ganz normal?

Machen wir uns nichts vor. Wir alle tun sie. Diese kleinen, unangenehmen Dinge, die man eigentlich “nicht“ tut oder allenfalls, wenn niemand in der Nähe ist. Und natürlich vermeiden wir es am Anfang einer neuen Beziehung, diese Dinge im Beisein unseres Partners zu tun. Niemand möchte, dass ihm vor seiner neuen Liebe ein Pups entfleucht und niemand würde genüsslich in der Nase Bohren, während er seiner neuen Bekanntschaft verliebt in die Augen sieht. Manchmal ist auch der Gang zur Toilette unangenehm, wenn wir wissen, dass der oder die Liebste nebenan sitzt und etwas von der Geräuschkulisse, die hierbei entsteht, mitbekommen könnte. Doch irgendwann im Verlauf einer Beziehung passieren uns doch einige dieser Peinlichkeiten, die im Grunde ganz normal sind und wir lernen gelassen mit ihnen umzugehen oder einfach gemeinsam über sie zu lachen. Wir finden es dann nicht mehr befremdlich, wenn der Freund nach einem deftigen Abendessen aufstoßen muss oder die Freundin ihre vom Einkauf mitgebrachten Slipeinlagen auf dem Küchentisch liegen lässt. Wir gewöhnen uns daran, uns morgens mit verquollenen Gesichtern, ungeputzten Zähnen und zerzausten Haaren zu sehen und uns verliebt anzulächeln, obwohl einer von beiden die ganze Nacht lang geschnarcht hat. Das alles sind überaus unromantische Alltagssituationen, die aber viel Positives bewirken: Wir lernen einander zu vertrauen, uns zu öffnen und erlauben es uns, im Beisein unseres Partners ungehemmt zu sein und uns rundherum wohlzufühlen. Das sorgt für Verbundenheit und Zusammenhalt, wie es sie nur in Beziehungen gibt, die nichts mehr von der anfänglichen Oberflächlichkeit des reinen Verknalltseins haben.

Über Geld und andere unromantische Themen

Kommen wir nun zu den Themen, die in jeder Beziehung irgendwann auf den Tisch kommen. Sie sind einfach schrecklich unromantisch und sorgen gerne mal für den einen oder anderen Streit. Es geht um Geld, um die Teilung der unliebsamen Hausarbeit, um Verpflichtungen, Wünsche und Erwartungen. Alles Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, spätestens dann, wenn wir beschlossen haben, dass wir mit unserem Partner eine ganze Weile oder sogar unser ganzes Leben lang zusammenbleiben wollen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns mit all diesen Dingen, die wir ganz am Anfang einer Partnerschaft lieber umgehen und stattdessen ein romantisches Dinner planen, gründlich auseinandersetzen. Im Grunde geht es um Beziehungsarbeit und die ist oft so anstrengend, dass wir manchmal dazu neigen, sie zu vernachlässigen. Aber wenn eine Beziehung funktionieren soll, dann ist es wichtig, dass wir permanent daran arbeiten, dass beide zufrieden und glücklich sind. Auch die dabei entstehenden Kompromisse und Lösungswege, wie zum Beispiel das Aufsetzen eines Ehevertrages, das Erstellen eines Putzplans, das Führen eines Haushaltsbuches oder das Einplanen von Abenden, an denen man sich Zeit für die Liebe nimmt, sind oft alles andere als romantisch. Aber sie sind sehr nützlich für ein entspanntes und harmonisches Miteinander als Paar.

Hat die Romantik also ausgedient?

Es sind also gerade die unromantischen Seiten einer Beziehung, die sie festigen können. Das bedeutet aber nicht, dass Paare der Romantik gänzlich abschwören sollten. Denn sie ist es, die uns immer wieder daran erinnert, wie schön es ist, auch nach Jahren noch verliebt in unseren Partner zu sein. Sie sorgt für all die großen und kleinen Momente voller Bauchkribbeln, knisternder Spannung und Unbeschwertheit in unseren Beziehungen. Dabei darf jedes Paar ganz frei für sich entscheiden, was es als romantisch empfindet. Das kann genauso gut der in festlicher Kleidung gemeinsam verbrachte Abend in der Oper sein wie der in Jogginghosen und mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher verlebte Nachmittag. Hauptsache, die Stimmung passt und sorgt bei beiden für ein nachhaltig gutes Gefühl.

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