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Neidisch auf den Partner? Das muss nichts Schlechtes bedeuten

Neidisch auf den Partner? Das muss nichts Schlechtes bedeuten

Neid hat keinen guten Ruf. Wenn wir auf andere neidisch sind, wird uns sofort unterstellt, dass wir nicht gönnen können. Insofern sollte Neid in einer Beziehung erst rechts nichts zu suchen haben. Immerhin sollten wir uns für unseren Partner freuen, wenn er erfolgreich ist und ihn für seine Vorzüge bewundern und ihn nicht darum beneiden. Wenn wir jemanden lieben, wünschen wir ihm nur das Beste – ganz selbstlos und selbstverständlich ohne das Verlangen, mit ihm mithalten zu können oder ihn zu übertreffen. Richtig? Nicht ganz! Denn Neid ist ein ganz natürliches Gefühl und muss nichts Schlechtes bedeuten. Es kommt aber darauf an, wie man mit seinem Neid in einer Partnerschaft umgeht.

Warum empfinden wir überhaupt Neid?

Neid entsteht aus einem Mangel heraus. Wir stellen fest, dass jemand etwas hat, das uns selbst fehlt und beneiden ihn darum. Wir vergleichen uns ständig mit anderen Menschen; prüfen, ob wir in etwas besser oder schlechter sind als sie oder ob wir mehr oder weniger von etwas haben. Dabei kommen wir immer wieder zu dem Schluss, dass uns dieses oder jenes noch zu unserem persönlichen Glück fehlt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir jemandem sein Hab und Gut nicht gönnen, aber wir hätten es eben für uns auch gerne. Manchmal mischt sich Neid aber auch mit Missgunst. Dann geht es nicht mehr nur um unsere Wünsche, sondern hauptsächlich um den Ärger darüber, dass jemand etwas besitzt, dass er in unseren Augen nicht verdient hat. Diese Mischung kommt allerdings selten in Beziehungen vor. Missgunst empfinden wir in der Regel Personen gegenüber, die uns unsympathisch sind oder die wir nicht mögen.

Wann sind wir neidisch auf unseren Partner?

All das, wofür wir unseren Partner oder unsere Partnerin schätzen, kann auch zu Neid führen. Wenn die Freundin beruflich erfolgreich ist und gut verdient oder der Freund beliebt ist und einen großen Freundeskreis hat, sind wir erst einmal stolz auf sie oder ihn. Wir freuen uns mit unserem Partner über seine Fähigkeiten und Eigenschaften – aber insgeheim wünschen wir uns auch, ihm ein bisschen ähnlicher zu sein. Neid kann in einer Beziehung in vielen Situationen aufkommen. Wir können unseren Partner dafür beneiden, dass er offensichtlich eine innigere Beziehung zu den gemeinsamen Kindern hat oder dafür, dass er offen auf fremde Menschen zugehen kann und sprachlich gewandter ist als wir selbst. Manchmal sind wir neidisch, weil unser Freund Stress und Probleme leichter bewältigt oder weil unsere Freundin immer alles im Griff hat, während wir schon im Chaos versinken, wenn nur eine winzige Kleinigkeit unsere gewohnte Routine stört.

Warum kann Neid in der Beziehung Schaden anrichten?

Neid muss in einer Beziehung keinen Schaden anrichten – aber er kann. Wenn wir bemerken, dass wir unserem Partner etwas nicht gönnen, dann sind unsere Gefühle für ihn scheinbar in Schieflache geraten. Noch schlimmer wird es, wenn wir uns auf einen Konkurrenzkampf mit dem eigenen Partner einlassen. Dann geht es nur noch darum, einander zu übertreffen, anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Neid in der Partnerschaft ist auch immer dann gefährlich, wenn er zu Eifersucht führt. Eifersucht entsteht, wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Beziehung und die daran geknüpften Gefühle nicht exklusiv genug sind und wir nicht den Stellenwert im Leben unseres Partners haben, den wir uns wünschen. Hat der Partner zum Beispiel viele Freunde, mit denen er sich gut versteht und mit denen er gerne Zeit verbringt, ist Eifersucht vorprogrammiert, sofern wir den Eindruck haben, dass ihm diese Freundschaften wichtiger sind als wir.

Neid in der Beziehung konstruktiv nutzen

Niemand muss sich schämen, wenn er Neid empfindet. Wichtig ist es zu hinterfragen, warum man neidisch ist und was einem selbst fehlt. Dann gilt es zu entscheiden, wie man mit diesem Neid umgehen will. In einer vertrauensvollen Beziehung sollte man dem Partner von seinen Gefühlen erzählen können. Ein verständnisvoller Partner kann uns dabei helfen, den vorhandenen Mangel zu beseitigen, indem er uns seine Unterstützung anbietet und uns Ratschläge gibt. Dabei müssen wir unseren Neid aber als Ansporn verstehen, der uns dazu bringt, etwas zu verändern. Das Verhältnis zu anderen Menschen können wir nur verbessern, indem wir aktiv etwas dafür tun. Genauso können wir im Beruf nur erfolgreicher werden, wenn wir uns entsprechend anstrengen. Wenn uns unser Neid dazu antreibt, ein gesetztes Ziel zu erreichen, ist er durchaus positiv zu bewerten, denn er führt zu mehr Zufriedenheit, was letztlich auch unserer Beziehung und unserem Partner zugutekommt.

Außerdem sollten wir uns immer vor Augen führen, dass wir in einer Beziehung mit einem Menschen, der besondere Stärken hat, um die wir ihn beneiden, oft selbst von ebendiesen seinen Stärken profitieren. Kann der Partner beispielsweise hervorragend kochen oder ist gut darin, Dinge zu organisieren und zu regeln verschönert und erleichtert er uns damit auch unseren Alltag. Bis zu einem gewissen Grad kann man Neid in einer Beziehung auch konstruktiv nutzen, wenn man mit dem Partner konkurriert. Dabei sollte das Konkurrieren aber spielerisch aufgefasst werden und nur unter bestimmten, vorher festgelegten Regeln erfolgen. Möchten beispielsweise beide Partner an Gewicht verlieren, sich ein Laster abgewöhnen oder eine bestimmte Summe für den bevorstehenden gemeinsamen Urlaub ansparen, kann man durchaus einen kleinen Konkurrenzkampf anzetteln. Meist ist es so, dass ein Partner ein größeres Durchhaltevermögen hat als der andere oder auch mehr Ehrgeiz und Disziplin. Dieses Wissen können beide dazu nutzen, sich gegenseitig anzuspornen und letztlich durch den Versuch, den anderen zu übertrumpfen, an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

Neid kommt in Beziehungen weitaus häufiger vor, als wir es uns eingestehen wollen. Wir scheuen uns bloß darüber zu sprechen, weil wir glauben, dass es böswillig ist, auf den eigenen Partner neidisch zu sein. Dabei wissen wir genau, dass Neid uns im Hinblick auf nahezu jede Person überkommen kann – wieso dann nicht auf den eigenen Partner? Wenn wir Neid richtig zu deuten wissen und lernen, ihn für uns zu nutzen, anstatt es zuzulassen, dass er uns auffrisst und unsere Beziehung belastet, kann Neid ein nützliches Gefühl sein.

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