Skip to content

Komm mir nicht zu nahe! – Wissenswertes über die 4 Distanzzonen

Komm mir nicht zu nahe! – Wissenswertes über die 4 Distanzzonen

So schön es sein kann, mit einem Menschen, den man gerne hat, auf Tuchfühlung zu gehen, sich gegenseitig zu umarmen, zu streicheln und miteinander zu kuscheln, so unangenehm ist es auch, wenn fremde Personen uns ungefragt zu nahe kommen. Vielleicht kennst du das beklemmende Gefühl, wenn du im Supermarkt an der überfüllten Kasse stehst und dein Hintermann sich unerbittlich immer näher an dich herandrängt. Du spürst seinen Atem an deinem Nacken, hast seinen Geruch in der Nase und würdest am liebsten einen großen Schritt nach vorne machen, wenn du nur Platz hättest. Während wir es lieben, die körperliche Nähe unseres Partners oder unserer Partnerin zu spüren, fühlen wir uns bedrängt, wenn Fremde oder Personen, an die wir nicht emotional gebunden sind, uns wortwörtlich auf die Pelle rücken. Solche Situationen lösen Stress aus, bescheren uns regelrechte Fluchtgedanken und rufen im Extremfall sogar Emotionen aggressiver Natur in uns hervor. Das Bedürfnis, eine gewisse Distanz zu bestimmten Menschen zu halten, ist ganz natürlich und liegt in unserem Territorialverhalten und in der Art, wie wir mit anderen Lebewesen kommunizieren, begründet.

Der amerikanische Anthropologe Edward T. Hall teilte den Abstand, den wir üblicherweise zu anderen Menschen halten, in 4 Zonen ein. Diese von ihm definierten Abschnitte können je nach Kulturkreis in ihrer Größe variieren. Zudem hängt unser persönliches Empfinden darüber, wie viel Abstand zu anderen Menschen uns angenehm erscheint und welche Personen wir gerne näher an uns heranlassen, von unserer Erziehung und unseren Erfahrungen ab. Dennoch kann uns die Einteilung in die unterschiedlichen Distanzzonen dabei behilflich sein, respektvoll und einfühlsam mit unseren Mitmenschen umzugehen und unsere eigenen Empfindungen besser zu verstehen.

Die intime Zone

Menschen, die etwa 60 cm oder noch näher an uns heranrücken, befinden sich in der intimen Zone. Das ist ganz unproblematisch, sofern es sich dabei um Personen handelt, denen wir vertrauen, die wir lieben oder ganz besonders gerne haben. Dann empfinden wir sogar direkten Körperkontakt meistens als angenehm. Oft erlauben wir aber auch Bekannten oder Arbeitskollegen, sich uns innerhalb dieses Bereiches zu nähern. Nämlich dann, wenn es sich beispielsweise um eine Begrüßung, wie das Händeschütteln oder eine flüchtige Umarmung handelt. Da solche Berührungen in der Regel nur ganz kurz andauern, empfinden wir sie nicht als bedrohlich, sondern als natürlichen Bestandteil des sozialen Miteinanders. Unangenehm wird es jedoch, wenn uns fremde Personen ungefragt zu nahe kommen. In diesen Situationen ist es durchaus legitim, den Abstand von sich aus zu vergrößern und wenn notwendig, klar zu kommunizieren, dass man sich unwohl fühlt. Im Alltag passiert es uns dennoch immer wieder, dass wir mit fremden Personen auf engstem Raum ausharren müssen. Überfüllte Wartezimmer, volle Aufzüge oder die stark besuchte Einkaufspassage kosten uns dabei regelmäßig ein hohes Maß an Kraft und Nerven; nicht nur, weil wir uns in Geduld üben müssen, sondern auch, weil dabei über einen längeren Zeitraum hinweg in unsere intime Zone eingedrungen wird.

Die persönliche Zone

Bei der persönlichen Zone handelt es sich um einen Bereich, der zwischen ungefähr 60 cm und 1,50 m liegt. Diesen Abstand halten wir beispielsweise während des Gespräches mit einem Arbeitskollegen oder einem Bekannten ein. Dabei handelt es sich zwar um Personen, die wir kennen, zu denen wir aber keine übermäßige Bindung verspüren. Auch hier kann es während der Begrüßung oder Verabschiedung zu einer kurzzeitigen Verringerung des Abstandes kommen, die uns aber nicht weiter irritiert. Meist empfinden wir bei diesen Personen aber kein Bedürfnis, uns ihnen während des Gespräches stärker zu nähern oder weiteren Körperkontakt zu suchen. Außer natürlich, wir verlieben uns. Dann verlassen wir relativ schnell von uns aus die persönliche Zone und geben unserem Schwarm im Gegenzug den Weg in unsere intime Zone frei.

Die soziale Zone

Die soziale Zone erstreckt sich auf eine Umgebung von etwa 1,50 m bis zu ca. 4 m um uns herum. In diesem Bereich kommunizieren wir mit Personen, die wir zwar kennen, zu denen wir aber ein eher neutrales Verhältnis haben. Das kann ein Handwerker, der Briefträger oder die Reinigungskraft sein. Daher ist die soziale Zone ein Bereich, der sich für die Kommunikation mit Menschen eignet, zu denen wir unpersönliche Kontakte pflegen und mit denen es nur sachliche Themen zu besprechen gibt.

Die öffentliche Zone

Ab etwa 4 m Abstand von einer anderen Person spricht man von der öffentlichen Distanz. Hierbei handelt es sich um eine Entfernung, die wir beispielsweise als Zuschauer oder Zuhörer bei einer Aufführung bzw. einer Rede dem Akteur gegenüber einhalten. Auch ist dies ein Abstand, bei dem wir uns sogar in der Gegenwart uns gänzlich unbekannter Personen wohlfühlen und keine Bedrohung verspüren. Die öffentliche Zone bietet aufgrund der großen Distanz keine Gelegenheit, sich ausgiebig persönlich auszutauschen und reicht allenfalls für das Zurufen einer Begrüßung unter flüchtigen Bekannten.

Die Distanz, die wir einer bestimmten Person gegenüber wahren, kann sich mit der Zeit verändern und hängt von der Intensität der Beziehung ab, die wir mit dieser Person pflegen. Wenn wir jemanden kennenlernen, entscheidet der Sympathiefaktor, ob und wie schnell wir bereit sind, den Abstand zu der neuen Bekanntschaft zu verringern.

Ob im Privat- oder Berufsleben, jeder von uns sollte darauf achten, anderen Menschen nicht unaufgefordert zu nahezukommen. Schnell kann ein solches Verhalten als respektlos und aufdringlich gewertet werden. Dabei kann es helfen, auf die Körpersignale und das Verhalten seines Gegenübers zu achten. Weicht der Gesprächspartner einen Schritt zurück oder verschränkt die Arme, kann das bedeuten, dass er sich bereits bedrängt fühlt und sich mehr Abstand wünscht. Weitere Anzeichen können das Abwenden des Blickes, das Wegdrehen oder eine angespannte Körperhaltung sein. Natürlich hat umgekehrt auch jeder von uns das Recht, die eigene Distanzzone zu schützen und andere darauf aufmerksam zu machen, wenn diese nicht angemessen beachtet wird. Oft ist es uns in solch einem Augenblick aber unangenehm, unsere Empfindung deutlich zu äußern. Insbesondere, wenn es sich um eine ranghöhere Person handelt, wie beispielsweise um einen Vorgesetzten. In diesem Fall ist es ratsam, sich diskret zurückzuziehen und selber den gewünschten Abstand zu schaffen. Wenn dieses Signal missachtet wird und man sich weiterhin bedrängt fühlt, sollte man aber klar kommunizieren, dass man sich unwohl fühlt. Bei besonders hartnäckigen Zeitgenossen, die sich sogar herausnehmen, uns gegen unseren Willen anzufassen, sollte man in jedem Fall deutlicher werden und im Extremfall seinen Unmut laut äußern, um andere sich in der Nähe befindenden Personen auf sich und die Situation aufmerksam zu machen und sich so gegen mögliche Übergriffe zu schützen.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on pinterest
Pinterest
Share on reddit
Reddit
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email