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Händchenhalten – Mehr als ein Zeichen von Zuneigung

Händchenhalten – Mehr als ein Zeichen von Zuneigung

Kinder und ihre Eltern tun es, frisch Verliebte tun es und auch Rettungskräfte scheuen sich bei ihren Patienten nicht davor. Ob die Hände sich dabei locker umschließen, die Finger sich eng umeinander schlingen oder auch nur einzelne Finger ineinander verhaken – das Händchenhalten ist oft ein Zeichen von gegenseitiger Zuneigung. Mit jemanden Händchen zu halten kann aber auch andere Beweggründe haben. So können sich Personen durch diese Art von Körperkontakt gegenseitig Halt geben, einander in herausfordernden Situationen unterstützen oder ihre Zusammengehörigkeit demonstrieren. Zudem ist das Händchenhalten, ebenso wie jede andere Form von Körperkontakt, förderlich für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.

Im Laufe unseres Lebens verändert sich unsere Haltung gegenüber dem Thema Händchenhalten mehrmals. Während wir im frühen Kindesalter noch gerne die unterstützende Hand unserer Eltern ergreifen, tauschen wir sie während der Kindergarten- und Schulzeit immer öfter gegen die Hand eines Freundes oder einer Freundin aus. Spätestens, wenn sich die erste Verliebtheit einstellt, gehen wir dazu über, das Händchenhalten vorrangig der Paarbeziehung zuzuordnen und später auch dem eigenen Elternsein. Die Bereitschaft, auch die Hand einer uns nicht nahe stehenden Person zu umschließen und festzuhalten, um ihr so Kraft und Trost zu spenden, ist besonders bei Berufen im medizinischen oder sozialen Bereich wichtig. Auch, wenn es sich beim Händchenhalten um eine zarte und vergleichsweise zurückhaltende Form von Körperkontakt handelt, sollte dieser ohne Druck stattfinden und für beide Beteiligten angenehm sein. Kritisch wird es, wenn das Händchenhalten die Macht oder die Besitzansprüche des einen widerspiegelt, während der andere sich genötigt fühlt, sich öffentlich Hand in Hand mit dem dominanteren Part zu zeigen. Das kann beispielsweise passieren, wenn Eltern immer wider einfordern, das eigene Kind an die Hand zu nehmen, obwohl dieses sich dafür schon zu erwachsen fühlt. Unangenehm kann es auch werden, wenn der Partner oder die Partnerin zu starker Eifersucht neigt und nur zur eigenen Hand greift, um zu demonstrieren, dass man vergeben ist. Ob und in welcher Konstellation Händchenhalten in der Öffentlichkeit akzeptiert wird, hängt stark vom jeweiligen Kulturkreis ab, in dem man sich bewegt. Während wir Händchen haltende Kinder und Senioren häufig als niedlich empfinden, neigen wir bei dieser innigen Geste unter gleichgeschlechtlichen Menschen jüngeren und mittleren Alters gerne dazu, sie falsch zu interpretieren.

Ich begreife dich

Babys können in den ersten drei Monaten ihres Lebens noch nicht gezielt nach Dingen greifen. Sie besitzen jedoch einen angeborenen Greifreflex, der ausgelöst wird, sobald man leichten Druck auf ihre Handinnenflächen ausübt. So geschieht es häufig, dass sie den Finger einer vertrauten Person umschließen und ganz fest halten. Dabei handelt es sich zwar nicht um eine bewusst gesteuerte, aber sicher um eine der niedlichsten Formen des Händchenhaltens. Im späteren Verlauf ihrer Entwicklung gelingt es Babys, ganz gezielt bestimmte Gegenständen anzufassen und so ihre Umwelt Stück für Stück zu erforschen.

Ich mag dich

Mit der besten Freundin oder der Schwester Hand in Hand durch die Einkaufspassage zu schlendern, ist für viele europäischen Frauen ganz natürlich und zeigt lediglich, wie gerne man einander hat. Dabei ist es ihnen in der Regel egal, wie ihr Umfeld auf ihr Auftreten reagiert und ob ihnen von Außenstehenden womöglich eine Liebesbeziehung angedichtet wird. Gerade westeuropäische Männer tun sich hingegen viel schwerer damit, ihre freundschaftlichen Gefühle öffentlich zur Schau zu stellen. So wird kaum ein Mann händchenhaltend mit seinem besten Kumpel durch die Kneipen ziehen wollen. Zu groß ist die Angst, als heterosexueller Mann für schwul gehalten zu werden. In anderen Kulturkreisen hingegen, wie beispielsweise in Indien, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch Männer sich an den Händen halten und somit ihre Freundschaft öffentlich bekunden.

Ich gehöre zu dir

Gerade zu Anfang einer Beziehung können frisch verliebte Paare kaum die Finger voneinander lassen. Indem sie Händchen halten, zeigen sie, dass sie zusammengehören und können einander auch in Situationen spüren, in denen zu inniger Körperkontakt eher unangemessen erscheint. Dabei steht das “sich an den Händen halten“ oft am Anfang einer Liebesbeziehung und ist der erste zarte Kontakt zwischen zwei Verliebten, noch bevor es zum ersten Kuss kommt. Aber auch bei Paaren, die schon viele Jahre gemeinsam durchs Leben gehen, ist das Händchenhalten eine beliebte Art, Verbundenheit auszudrücken und sich gegenseitig seine Zuneigung zu zeigen. Für Außenstehende ist somit gleich ersichtlich, dass man zueinander gehört und fest vergeben ist.

Ich gebe dir Halt

Wir alle kennen das Bild erster wackeliger Gehversuche kleiner Menschen. An der Hand von Mama oder Papa tapsen Kleinkinder anfänglich noch unbeholfen durch die Gegend, bis sie ein sicheres Gefühl für ihre Motorik entwickeln und lernen, ohne Hilfe zu laufen. Durch das Halten der kleinen Hand unterstützen Eltern ihre Jüngsten dabei, Schritt für Schritt selbstständiger zu werden. Halt und Geborgenheit spielt aber auch für ältere Menschen eine wichtige Rolle. Wenn das Laufen zunehmend schwerfällt und man sich auf den eigenen Beinen nicht mehr sicher fühlt, kann die unterstützende Hand eines Familienmitgliedes oder einer einfühlsamen Pflegeperson die eigene Lebensqualität steigern.

Ich beschütze dich

Wenn Eltern mit ihren Kindern unterwegs sind, nehmen sie sie gerne an die Hand. Schließlich ist das die beste Methode, um die Kleinen an viel besuchten Orten nicht aus den Augen zu verlieren und sie vor gefährlichen Situationen im Straßenverkehr zu schützen. Das Kind genießt dabei das Gefühl der Sicherheit, das die warme Hand von Mutter oder Vater ihm vermittelt und kann auf diese Weise sorglos seine Umwelt erkunden. Doch ab einem gewissen Alter kommt bei jedem Kind der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr an der Hand eines Elternteils laufen möchte. Dann will es auf eigene Faust sein Umfeld erforschen und sein Tempo selbst bestimmen. Hinzu kommt, dass älteren Kindern das Händchenhalten mit Mama oder Papa irgendwann peinlich wird. Hier sollten Eltern einfühlsam reagieren und den Wusch des Kindes respektieren – auch, wenn es ihnen anfangs schwerfällt.

Ich bin für dich da

Besonders in schwierigen Situationen kann es dem Betroffenen helfen, wenn eine andere Person seine Hand hält. Bei Angst, Sorgen oder Schmerzen ist es eine Wohltat, wenn jemand unsere Hand drückt und uns somit zeigt, dass er für uns da ist. So kann das Händchenhalten als unterstützende Maßnahme bei der Versorgung von Unfallopfern zum Einsatz kommen oder auch als Bestandteil der Sterbebegleitung. Aber auch in alltäglichen Stresssituationen wirkt die warme Hand eines lieben Menschen beruhigend.

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