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Emotionale Erpressung in der Beziehung: Das sind die Gründe

Emotionale Erpressung in der Beziehung: Das sind die Gründe

Vielleicht kennst du dieses nagende Gefühl, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil du einen Wunsch deines Partners nicht erfüllt hast und er dann mit Vorwürfen und großer Enttäuschung reagiert. Vielleicht bist du aber auch derjenige, der bewusst oder unbewusst versucht, seinen Partner zu manipulieren, damit er nach seiner Pfeife tanzt. Emotionale Erpressung kommt in nahezu jeder Beziehung vor – in einigen nur ab und an, in anderen in einem derartigen Ausmaß, dass der Erpresste sich immer wieder einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt sieht und in Gewissenskonflikte gerät. Soll er alle Forderungen seines Partners erfüllen oder darf er auch einfach mal “Nein“ sagen?

Wie funktioniert emotionale Erpressung?

Emotionale Erpressung kann rein durch Worte oder auch durch ein bestimmtes Verhalten ausgeübt werden. Immer geht es dabei um Erwartungen, die in Form von Forderungen an den Partner adressiert werden. Dabei wird dem Partner zeitgleich signalisiert, dass man sich ungeliebt fühlt oder traurig ist, wenn er diesen Forderungen nicht nachkommt. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, neigen emotionale Erpresser oft dazu, nicht nur das Mitleid des Partners zu erregen, sondern reagieren auch mit Schmollen, Schweigen oder dem Entzug von Aufmerksamkeit und Zärtlichkeiten. Das Ziel ist es immer, ein schlechtes Gewissen beim Partner auszulösen oder ihn für seine mangelnde Kooperationsbereitschaft zu bestrafen, damit er sich letztlich so verhält, wie man es möchte. Ein typischer Satz, den emotionale Erpresser häufig anwenden, ist “Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann …“

Warum haben emotionale Erpresser Erfolg mit ihrem Verhalten?

Wer seinen Partner liebt, ihn nicht verlieren möchte oder Konflikte schlichtweg gerne umgeht, tut manchmal auch Dinge, die er nicht unbedingt tun möchte. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch nachvollziehbar, schließlich sollte man die Wünsche und die Bedürfnisse seines Partners oder seiner Partnerin ernst nehmen. Gut ist, wenn man seinem Partner aus Überzeugung und freiem Willen entgegenkommt. Wenn dies jedoch nur geschieht, weil man drohende Konsequenzen wie Liebesentzug oder ein schlechtes Gewissen befürchtet, handelt es sich um emotionale Erpressung. Emotionale Erpresser merken schnell, ob sie mit ihrer Masche ans gewünschte Ziel gelangen und ob sich ihr Partner leicht manipulieren lässt. Wenn sie mit ihrer Methode erfolgreich sind, wenden sie sie immer wieder an – zumindest so lange, bis der Erpresste die Situation nicht mehr aushält und die Beziehung infrage stellt.

Was sind die häufigsten Gründe für emotionale Erpressung?

Menschen, die ihren Partner emotional erpressen, handeln nicht unbedingt böswillig. Oft ist ihnen gar nicht bewusst, was sie ihrem Partner damit antun. Ihre Motive sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten:

Emotionale Erpressung als erlerntes Verhaltensmuster

Wer schon früh in der eigenen Herkunftsfamilie die Erfahrung gemacht hat, dass sich durch emotionale Erpressung die Erfüllung der eigenen Wünsche durchsetzen lässt, wird auch später dazu neigen, andere zu manipulieren. Das kann entweder durch Abgucken passieren, wenn eines der Elternteile eine sehr manipulative Person ist oder aber durch selbst gemachte Erfahrungen. Ein Kind, das durch bockiges Verhalten oder Weinen immer wieder seinen Willen bekommt, lernt, dass es sich auf diese Weise durchsetzen kann.

Übersteigerte Erwartungen an den Partner oder die Beziehung

Die meisten Menschen haben eine gewisse Vorstellung von einer funktionierenden Beziehung oder einem idealen Partner. Gelingt es ihnen nicht, eine Beziehung zu führen, die dieser Vorstellung entspricht, versuchen einige krampfhaft, sie zu optimieren. Hierfür muss in ihren Augen der Partner oder die Partnerin ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen. Um ihn oder sie dazu zu bringen, greifen sie zur emotionalen Erpressung.

Unvermögen, seine Bedürfnisse auszudrücken

Wer seine eigenen Bedürfnisse in einer Beziehung nicht klar ausdrücken kann oder die Erwartung hat, dass der Partner oder die Partnerin sie von alleine erspüren muss, wird irgendwann enttäuscht feststellen, dass sie auf der Strecke bleiben. Manche Menschen sehen sich dann regelrecht genötigt dazu, den Partner durch emotionale Erpressung dazu zu bringen, ihnen ihre Bedürfnisse zu erfüllen, weil sie glauben, dass er sie absichtlich missachtet.

Mangelndes Selbstwertgefühl

Ein Grund für emotionale Erpressung kann auch das mangelnde Selbstwertgefühl des Erpressers sein. Er braucht eine hohe Dosis an Bestätigung seines Partners und fühlt sich von ihm nur ausreichend geliebt, wenn dieser alles für sein Wohlergehen tut. Tut der Partner allerdings seinem Empfinden nach zu wenig, manipuliert er ihn, indem er ihm ein schlechtes Gewissen bereitet und sich als bemitleidenswertes Opfer darstellt.

So kannst du mit emotionaler Erpressung in deiner Beziehung umgehen

Möglicherweise hast du selbst schon festgestellt, dass du dazu neigst, deinen Partner zu manipulieren. Oder aber du wirst regelmäßig emotional von deinem Freund oder deiner Freundin erpresst. Wenn emotionale Erpressung in eurer Beziehung ein Thema ist, dann solltest du das offen ansprechen. Versucht gemeinsam herauszufinden, warum es zu Manipulationen in eurer Beziehung kommt und inwiefern ihr eure Kommunikation verbessern könnt. Dazu gehört es auch, über eure Ängste zu sprechen und zu klären, woher dieses Verhalten von einem von euch beiden kommt. Der Erpresser muss lernen, seine Bedürfnisse zu äußern, ohne den Partner unter Druck zu setzen. So können beide offen darüber reden, welche dieser Erwartungen erfüllt werden können und welche vielleicht auch nicht und warum. Er kann nicht erwarten, dass die andere Person alles dafür tut, dass er zufrieden ist. Für den Erpressten ist es wichtig, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass er nicht grundsätzlich für die Gefühle seines Partners verantwortlich ist. Wenn sich dein Freund oder deine Freundin also schlecht fühlt, weil du nicht nach seinen oder ihren Erwartungen funktionierst, musst du dieses Gefühl in manchen Situationen einfach aushalten. Wichtig ist es, dass ihr euch in der Mitte begegnet und nicht einer zum dauerhaften Wunscherfüller wird, während der andere nur fordert. In besonders schwerwiegenden Fällen sollte das Paar sich Hilfe von Außen suchen, wenn es das Problem nicht selber in den Griff bekommt. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Erpresste aufgrund der Situation bereits so sehr leidet, dass er Symptome wie Schlafstörungen oder gar körperliche Schmerzen entwickelt oder wenn der Erpresser in eine offensichtlich unnatürlich starke Abhängigkeit von seinem Partner verfällt. Eine Paartherapie kann helfen, die Beziehung zu retten, indem die beiden Partner neue Regeln im Umgang mit ihren Erwartungen aneinander entwickeln.

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