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Emotionale Affäre – Fremdgehen ohne Körperkontakt

Emotionale Affäre – Fremdgehen ohne Körperkontakt

Wie lautet für dich die Definition von Fremdgehen? Die meisten Menschen sind sich einig darüber, dass ein Betrug innerhalb einer Beziehung immer dann stattfindet, wenn einer der Partner etwas mit einer dritten Person anfängt. Dabei handelt es sich oftmals um einen einmaligen Seitensprung. Es gibt aber natürlich auch Affären, die über einen längeren Zeitraum hinweg anhalten, während dem sich die Liebenden immer wieder heimlich zu erotischen Abenteuern verabreden. Die Meinungen darüber, wo ein harmloser Flirt aufhört und wann es sich bereits um einen Seitensprung handelt, gehen stark auseinander. Ein Großteil, der in einer Partnerschaft lebenden Menschen, wertet jeden erotisch motivierten Körperkontakt des eigenen Partners zu einer anderen Person als Betrug. Was aber, wenn man selber oder der Partner nicht auf körperlicher, sondern auf rein emotionaler Ebene mit einer anderen Person intim wird? Während die einen bei einem Seitensprung eher auf sexuelle Erfahrungen außerhalb der eigenen Beziehung aus sind, gibt es Menschen, die vor allem auf der Suche nach etwas anderem sind: Verständnis, Zuwendung, echtes Interesse und ein offenes Ohr. All das können zwei Personen auch miteinander teilen, ohne dass sie einander berühren. Dabei lassen sie sich – oft zunächst ganz unbewusst – auf eine emotionale Affäre ein.

Wie du erkennst, ob du selber bereits mitten in einer emotionalen Affäre steckst und warum diese noch gefährlicher für deine Beziehung sein kann als ein heißer One-Night-Stand hinter dem Rücken deines Partners, wollen wir dir anhand einer kleinen Geschichte erzählen.

Die Geschichte von Anna und Frank

Frank ist Annas Arbeitskollege. Die beiden kennen sich seit ein paar Jahren und haben sich schon immer gut verstanden. Frank ist Single und findet Anna sehr sympathisch. Doch weil Anna mit Thomas zusammen ist, hat er nie versucht, sich ihr auch privat zu nähern. Auf einer Betriebsfeier, zu der auch die jeweiligen Partner der Arbeitnehmer eingeladen waren, hat Annas Freund Thomas zu viel getrunken und ist in der geselligen Runde unangenehm aufgefallen. Anna war die ganze Angelegenheit sehr peinlich und sie war unendlich dankbar, als ihr Kollege Frank ihren Freund dazu überreden konnte, sich von ihm nach Hause fahren zu lassen. Noch am selben Abend hat Frank Anna eine Nachricht geschrieben, um sich zu vergewissern, ob bei ihr alles in Ordnung ist. Noch ganz aufgewühlt von den vorangegangenen Ereignissen, hat Anna ihm ihr Herz geöffnet und ihm in unzähligen Nachrichten anvertraut, wie kompliziert ihre Beziehung mit ihrem Freund Thomas ist. Frank hat ihr geduldig Ratschläge erteilt und zeigte großes Interesse für ihre Probleme. Die beiden fingen an, sich regelmäßig zu schreiben und sich über ihre Erlebnisse, Meinungen und Gefühle auszutauschen. Dabei entstand ein Vertrauensverhältnis, das keiner von beiden mehr missen wollte.

Anna hat gemerkt, wie gut ihr dieser Kontakt zu Frank tut, und sie ertappte sich immer häufiger dabei, wie sie ungeduldig auf ihr Handy starrt, um einen Moment später mit einem breiten Lächeln auf den Lippen die frisch eingetroffene Nachricht ihres fürsorglichen Arbeitskollegen zu lesen. Ihrem Partner Thomas hat sie natürlich nichts von ihrer Freundschaft zu Frank erzählt. Wozu auch? Er hätte nur eifersüchtig reagiert und schließlich lief zwischen ihr und Frank ja nichts. Anna fing unbewusst an, ihren Freund Thomas mit Frank zu vergleichen, und ganz langsam, fast unmerklich schlichen sich Gefühle in ihr Herz, die sie zuerst nicht wahrhaben wollte. Sie träumte immer öfter davon, wie es wäre, mit Frank zusammen zu sein; dem Mann, der ihr so viele liebevolle Komplimente machte und der immer für sie da war, wenn es ihr nicht gut ging. In der Firma pflegten Frank und Anna weiterhin ein kollegiales Verhältnis und niemand, der nichts von ihrer Verbindung wusste, hätte merken können, dass sich hier etwas anbahnt. Sie berührten sich nicht und wenn doch, scheinbar nur ganz zufällig. Doch sie blickten sich immer öfter tief in die Augen; beide versunken in ihre eigenen verwirrenden Gedanken.

Annas Freund Thomas bemerkte, dass seine Freundin sich immer stärker von ihm distanzierte und seinen Küssen und Umarmungen auswich. Dafür legte sie neuerdings viel mehr Wert darauf, sich für die Arbeit zurechtzumachen als früher und ihr Handy ließ sie nicht mehr einfach herumliegen. Er spürte, dass etwas anders war, konnte sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass seine Freundin ihm fremdgehen könnte. Dafür war Anna einfach nicht der Typ. Oder vielleicht doch?

Anna, Frank und Thomas sind rein fiktive Charaktere. Doch sie stehen stellvertretend für eine Vielzahl an Menschen in unserer Gesellschaft, die Ähnliches erleben. Anna und Frank verbindet etwas, wofür viele keine genaue Bezeichnung kennen: Sie führen eine emotionale Affäre. Sie schlafen nicht miteinander, aber sie haben eine so innige Verbindung zueinander aufgebaut, dass Annas langjährige Beziehung mit Thomas in ernsthafter Gefahr ist. Kommt dir unsere Geschichte irgendwie bekannt vor? Dann ließ unbedingt weiter.

Warum ist eine emotionale Affäre so gefährlich für eine Beziehung?

Das Gefährliche an einer emotionalen Affäre ist, dass selbst den beiden Betroffenen zunächst nicht bewusst ist, dass ihre vermeintliche Freundschaft das Potenzial hat, sich in eine ernsthafte Liebesbeziehung – auch auf körperlicher Ebene – zu verwandeln. Beide sind sich zunächst einfach nur sympathisch und erkennen viele Gemeinsamkeiten. Da sie selten persönlichen Kontakt haben oder dieser nur im Beisein anderer Personen stattfindet, haben sie nicht die Möglichkeit, sich mit all ihren Facetten kennenzulernen. Sie sehen nur die positiven Seiten aneinander. Diese Idealisierung führt dazu, dass sie sich immer stärker vom eigenen Partner oder der Partnerin entfernen und anfangen, Vergleiche anzustellen. Der Lebenspartner schneidet dabei meist deutlich schlechter ab als der neue Freund oder die Freundin, mit der sie sich durch eine Art Seelenverwandtschaft verbunden glauben. Hinzu kommt, dass Menschen, die eine emotionale Affäre eingehen, sich in der irreführenden aber auch beruhigenden Gewissheit wiegen, dass sie ihren eigentlichen Partner nicht betrügen, weil sie schließlich keine sexuelle Beziehung außerhalb der Partnerschaft pflegen.

Dabei sind die Anzeichen für eine emotionale Affäre genauso eindeutig wie alarmierend: Wenn man anfängt, jemandem heimlich Nachrichten zu schreiben und darauf achtet, dass der oder die Liebste nichts davon mitbekommt, im Gedanken immer öfter bei der anderen Person ist und sich langsam aber sicher das schlechte Gewissen meldet, steckt man meist schon mitten drin. Dann ist es an der Zeit, ehrlich zu sich sein und seine Gefühle offen zu hinterfragen. Möchte man seine bestehende Beziehung aufs Spiel setzen und ist die neue, jetzt schon so vertraute Bekanntschaft wirklich das, wofür man sie hält? In den meisten Fällen entsteht eine emotionale Affäre erst dadurch, dass einem in der eigenen Beziehung etwas fehlt. Wenn sich dann jemand findet, der scheinbar in der Lage ist, die eigenen Sehnsüchte zu erfüllen, ist der Schritt von der rein emotionalen Affäre zu einem körperlichen Seitensprung nur noch einen Steinwurf entfernt.

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